- von Dr. Rainer Kappes, Chefarzt der
Pneumologie im Diakoniewerk Kaiserswerth,
Düsseldorf
In seiner Einleitung wies
Dr. Kappes noch einmal auf die Definition des
obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms hin. Es
handelt sich um eine Erkrankung, die mit
Schnarchen einhergeht. Infolge eines Kollapses
der oberen Atemwege kommt es zu Atempausen,
die in Extremfällen bis zu 2 und 3 Minuten
dauern.
Die obstruktive Apnoe ist
nach einer Untersuchung des HUK-Verbandes ein
häufig auslösendes Ereignis für tödliche
Unfälle auf Autobahnen. So ist Einschlafen
mit 24 % das häufigste auslösende Ereignis
bei tödlichen Unfällen auf Bayrischen
Autobahnen. Hierbei spielt die Schlafapnoe
eine erhebliche Rolle.
In den 7Oer und 8Oer Jahren
wurde das OSA (= obstruktive Schlafapnoe)
nicht ernstgenommen. Erst die hervorragende
Studie von He und Kryger aus dem Jahre 1988
zeigte, dass in Abhängigkeit von der Zahl der
Atemstillstände pro Stunde die Sterblichkeit
von Patienten mit OSA deutlich erhöht ist im
Vergleich zu gesunden Patienten. So konnten He
und Kryger zeigen, dass nach 8 Jahren 35 %
aller unbehandelten Patienten mit mehr als 2O
Atemstillständen pro Stunde verstorben waren.
Patienten, die weniger als 2O Atemstillstände
pro Stunde aufwiesen, hatten eine fast normale
Sterblichkeit. Dies gilt sowohl für die
Altersgruppe der über 5Ojährigen als auch
ganz besonders für die Altersgruppe der unter
5Ojährigen. Eine Behandlung mit der
CPAP-Maske hat zu einer völligen
Normalisierung des Sterblichkeitsrisikos
geführt. Das heisst im Klartext, die
CPAP-Therapie kann die negative Auswirkungen
des Schlafapnoe-Syndroms völlig verhindern.
Zu dem Themenkomplex OSA
und Hochdruck führte Dr. Kappes aus, dass 3O
- 5O % aller Patienten mit einer
Hochdruck-Erkrankung auch ein obstruktives
Schlafapnoe-Syndrom haben. Umgekehrt haben 45
% aller Patienten mit einem obstruktiven
Schlafapnoe-Syndrom auch einen erhöhten
Blutdruck. Dies legt einen ursächlichen
Zusammenhang sehr nahe. Seit langem ist
bekannt, dass insbesondere der diastolische
Blutdruck, d. h. der Blutdruck während der
Erschlaffungsphase des Herzens mit deutlich
erhöhter Sterblichkeit einhergeht. Da bei
Schlafapnoe-Patienten das nächtliche Absinken
des Blutdrucks häufig entfällt, es sogar
nächtlich zu Blutdruckanstiegen und
Blutdruckkrisen kommt, glauben viele
Wissenschaftler mittlerweile, dass das OSA ein
eigenständiger Risikofaktor für Herz- und
Gefässerkrankungen ist, ähnlich wie hoher
Blutdruck, hohe Blutfette und
Zigarettenrauchen.
Besonders in den frühen
Morgenstunden wird bei OSA-Patienten ein
überproportional starker Blutdruckanstieg
festgestellt. Auch sind nach
Atemstillstandsphasen massive Anstiege des
Blutdrucks die Regel. Da gerade in den frühen
Morgenstunden gehäuft Herzinfarkte und
Herzversagen auftreten, ist ein ursächlicher
Zusammenhang zwischen Schlafapnoe-Syndrom und
Herzinfarkt auf der Hand liegend.
Während der
Atemstillstandsphasen werden durch den
negativen Druck im Brustkorb grosse Mengen an
Blut in den Brustkorb und damit in das Herz
gesaugt. Dadurch kommt es zu einer akuten
Rechtsherzbelastung und einer gleichzeitigen
Behinderung des linken Herzens. Infolge
Adrenalinausschüttung wird das linke Herz
zusätzlich belastet, ausserdem bedroht der
abfallende Sauerstoffgehalt den Herzmuskel
elementar. Ein gesundes Herz kann diese
Belastungen über einen langen Zeitraum
tolerieren,
Bei Vorerkrankungen
(Herzkranzgefässverengung etc.), die ja in
dem Alter ab 5O gehäuft auftreten, kann eine
solche Schlafapnoe-Phase und die damit
verbundenen Folgen durchaus zu akutem
Herzversagen führen. So haben grosse
Untersuchungen gezeigt, dass eine
Herzkranzgefässerkrankung bei Patienten
mit Schlafapnoe-Syndrom fünfmal häufiger vorkommt
als bei der Normalbevölkerung. Bei Schnarchen
ohne Atemstillstände tritt eine koronare
Herzkrankheit immerhin zweimal häufiger als
bei der Normalbevölkerung auf.
Des weiteren besteht bei
Patienten mit obstruktivem Schlafapnoe-Syndrom
gerade bei gleichzeitig bestehenden
Risikofaktoren wie erhöhte Blutfette
(Cholesterin, Triglyzeride, Arteriosklerose
und hohem Blutdruck) ein deutlich erhöhtes
Risiko für Schlaganfälle. Hier muss man
trennen zwischen Schlaganfällen, die durch
eine Hirnblutung verursacht sind und
Schlaganfällen, die Folge einer Embolie, also
eines akuten Verschlusses eines Blutgefässes
durch einen Blutpfropf sind. Die Auswirkungen
sind allerdings nahezu gleich, es kommt zu
Lähmungen bis hin zur Halbseitenlähmung, in
schweren Fällen durchaus auch zum Tode.
Die genannten Faktoren führen, wie leicht
nachzuvollziehen ist, zu einer deutlich
erhöhten Sterblichkeit.
Dr. med. Kappes
16.3.96